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Suizidpräventionskampagne für Betriebe in Vorarlberg

Die SUPRO – Kompetenzzentrum für Gesundheitsförderung und Prävention der Stiftung Maria Ebene präsentierte am Mittwoch, den 11. September, ihre neue Kampagne zur Suizidprävention in Betrieb

Bild: Bernhard Tschann (ikp), Primar Philipp Kloimstein von der Stiftung Maria Ebene, Landesrätin Martina Rüscher,  SUPRO-Leiter Andreas Prenn und Marcel Gilly, Landesgeschäftsführer der GPA Vorarlberg (v.l.) präsentieren gemeinsam die neue Suizidpräventionskampagne  © Bernd Hofmeister

Weiterhin soll auf das Tabuthema Suizid aufmerksam gemacht werden, wobei sich die Maßnahmen im zweiten Kampagnenjahr vor allem an Mitarbeitende in den Vorarlberger Betrieben richten. 

Nach wie vor fällt es vielen schwer, über Suizid und psychische Probleme zu sprechen bzw. andere darauf anzusprechen, um zu helfen. Mit einer eigenen Informationskampagne richtete sich daher die SUPRO – Kompetenzzentrum für Gesundheitsförderung und Prävention der Stiftung Maria Ebene bereits im vergangenen Jahr an die breite Öffentlichkeit, um zu diesem Thema zu sensibilisieren. Der Schwerpunkt lag dabei bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen sowie deren Bezugspersonen. In einer neuen Auflage der Kampagne richtet sich diese heuer vor allem an Mitarbeitende in den unterschiedlichen Unternehmen und Organisationen im Land – also an alle Beschäftigte und deren Arbeitskolleginnen und -kollegen. Im Rahmen einer Pressekonferenz am Montag, den 11. September 2023 bei der SUPRO in Götzis informierten zu diesem Thema, zur aktuellen Situation sowie den vorhandenen Hilfsangeboten in Vorarlberg der Leiter der SUPRO, Mag. Andreas Prenn, Dr. Philipp Kloimstein, MBA, Ärztlicher Leiter und Primar der Stiftung Maria Ebene, gemeinsam mit Gesundheitslandesrätin Martina Rüscher und Marcel Gilly, Landesgeschäftsführer der GPA Vorarlberg. 

Anstieg an Suiziden
Laut aktuellsten Zahlen für das Jahr 2022 ist in Summe eine Zunahme von Suiziden in Österreich im Vergleich zum Vorjahr festzustellen – hier vor allem bei Frauen und insgesamt bei der älteren Bevölkerung (60 Jahre und älter). Unterschiede gibt es auch im Vergleich der Bundesländer. In Vorarlberg nahmen sich im selben Zeitraum 2022 insgesamt 44 Menschen das Leben und damit um drei Personen mehr als im Vorjahr (41 Suizide 2021). Hauptbetroffene Gruppe sind hier Männer im Alter zwischen 55 und 65 Jahren. „Die Situation stellt sich bei uns also etwas besser dar als im Österreich-Vergleich und kann als relativ stabil bezeichnet werden, auch wenn natürlich jeder einzelne Suizid einer zu viel ist. Und das ist genau der Punkt“, betont Primar Kloimstein. Noch immer nehmen sich in Österreich jährlich mehr Menschen das Leben, als zum Beispiel durch Verkehrsunfälle ums Leben kommen. „Wenn also jemand psychische Probleme bzw. Suizidgedanken hat und das Leben am sprichwörtlich seidenen Faden hängt, braucht es ein gutes, engmaschiges und möglichst leicht zugängliches Hilfsnetz – also Menschen und Organisationen, die Unterstützung anbieten“, verdeutlicht Kloimstein. Und genau hier setzt die neuerliche Kampagne an mit dem Ziel, möglichst viele potenzielle Suizide zu vermeiden.

Auch für Gesundheitslandesrätin Martina Rüscher ist die psychische Gesundheit der Vorarlberger:innen ein großes Anliegen. „Suizidprävention ist eine komplexe und sensible Herausforderung, die eine laufende Sensibilisierung erfordert, um die bestehenden Tabus und Stigmatisierungen zu überwinden. Die Informationen und Maßnahmen konzentrieren sich heuer auf die Arbeitswelt. Wir möchten die Menschen aufmerksam machen, dass psychische Gesundheit nicht nur ein privates Anliegen, sondern auch am Arbeitsplatz von großer Bedeutung ist. Daher ist es aus unserer Sicht wesentlich, auch in diesem Bereich einen Akzent zu setzen“, bedankt sich Rüscher bei allen, die an der Umsetzung dieser Suizidpräventionskampagne beteiligt sind. Gleichzeitig möchte sie auch alle anderen ermutigen, sich aktiv an der Bewusstseinsbildung und Unterstützung von Menschen in Not zu beteiligen.

 

Arbeitsplatz als Ort der Gemeinschaft

Der Kampagnen-Claim bleibt gleich und lautet: „Ich höre zu, ich frage nach, ich hole Hilfe, wenn jemand Suizidgedanken hat! Mach du das auch!“ Die Maßnahmen und das Setting sind in diesem Jahr jedoch neu und richten sich konkret auf das berufliche Umfeld in Vorarlberg. „Die meisten erwachsenen Menschen verbringen etwas mehr als die Hälfte ihrer Zeit, in der sie wach sind, am Arbeitsplatz. Der Arbeitsplatz ist damit nicht nur der Ort, an dem wir unser Einkommen verdienen, sondern auch der sozialen Gemeinschaft. Der Arbeitsalltag läuft zumeist in vorhersehbaren, klaren Strukturen ab. Andererseits gehen vom Arbeitsplatz mitunter auch wesentliche Belastungen aus – vor allem bei bestimmten Berufsgruppen und zum Beispiel bei Stressbelastungen, Schlafmangel durch Schichtarbeit, Mobbing oder die Gefahr des Arbeitsplatzverlustes selbst. Die körperliche und psychische Gesundheit bzw. das Wohlbefinden insgesamt können dadurch beeinflusst werden“, weiß Marcel Gilly von der Arbeitnehmervertretung GPA Vorarlberg, welche die Suizidpräventionskampagne in enger Kooperation und Zusammenarbeit mit der SUPRO umsetzt.

 

Mit Plakaten und Broschüren in verschiedenen Sprachen (Deutsch, Türkisch, Serbisch, Englisch) sowie Vorträgen, Fortbildungen und Informationsveranstaltungen in den Unternehmen sollen Mitarbeitende sensibilisiert und dazu ermutigt werden, bei entsprechenden Signalen etwas zu unternehmen. Zentrale Schnittstelle und Informationsquelle bietet hier auch die eigens überarbeitete Webseite www.papageno.tips. „Wir möchten die betriebliche Gesundheitsförderung auf das Thema psychische Gesundheit erweitern. Es geht darum, das Thema anzusprechen, auch wenn es noch immer mit einer gewissen Scham behaftet ist. Gespräche können in diesem Zusammenhang mitunter tatsächlich Leben retten. Der einzige Fehler wäre, nichts zu tun“, ist SUPRO-Leiter Andreas Prenn fest überzeugt. Zudem sollen betriebsinterne Anlaufstellen wie beispielsweise ein:e Betriebsarzt:ärztin oder Gesundheitsbeauftragte aktiv miteinbezogen werden und als mögliche Anlaufstelle dienen. Dass die Suizidpräventionskampagne funktioniert, zeigen auch die Erfahrungen aus dem letzten Jahr. Es wurde eine große Aufmerksamkeit für dieses wichtige Thema geschaffen, wie sich etwa in der Zahl der Anrufe bei der Telefonseelsorge widerspiegelt, die zu diesem Zeitpunkt stark angestiegen ist. Und alleine im Kampagnen-Zeitraum September 2022 haben insgesamt 3.385 Personen die Webseite www.bittelebe.at besucht.

 

GPA Vorarlberg als Partner

Wir haben aktuell zirka 174.000 unselbstständig Beschäftige in Vorarlberg „Die Sicherheit und Gesundheit am Arbeitsplatz stetig zu verbessern, zählen zu unseren Kernanliegen als Interessenvertretung. Neben der physischen Gesundheit muss hier aber noch vermehrt auf die psychische Gesundheit geachtet werden. Die Arbeitgeber:innen, Betriebsärzte bzw. Betriebsärztinnen und Betriebsrät:innen haben hier eine wichtige Funktion, genauso liegt es aber auch an jedem einzelnen selbst. Es ist uns wichtig, dass wir entsprechende Hinweise oder Andeutungen auf Probleme bei unseren Kolleginnen und Kollegen ernst nehmen, sie ansprechen und nötigenfalls Hilfe suchen. Genau darauf verweisen wir in der Kampagne gemeinsam mit der SUPRO in den Unternehmen“, so Marcel Gilly abschließend.

 

Factbox: Die wichtigsten Hilfsangebote

  • Individuell ausgewiesene, innerbetriebliche Stellen, wie Betriebsarzt:ärztin, Gesundheitsbeauftrage etc. - Webseite: www.papageno.tips (neu überarbeitet)
  • Telefonseelsorge Vorarlberg: unter 142 für telefonische Hilfe, anonym und kostenlos

 

Fact-Box:

Folgende Faktoren erhöhen die psychischen Belastungen und damit mitunter auch die Gefahr für suizidales Verhalten:

  • Starke Stressbelastung
  • Belastende Dauerkonflikte, Mobbing
  • Gefahr des Arbeitsplatzverlustes
  • Schlafmangel, Schichtarbeit
  • Isolation am Arbeitsplatz
  • Berufsbedingte Traumatisierungen (Polizei, Feuerwehr, Rots Kreuz, …)
  • Einfacher Zugang zu potenziell tödlichen Mitteln (Medikamente, Gift, Waffen, …)

 

Zu den wichtigsten „indirekten“ Warnzeichen gehören:

  • Veränderung der Leistungsfähigkeit, der Leistungsbereitschaft, wiederholtes Zuspätkommen, Häufung von Krankenständen etc.
  • Veränderung im Sozialverhalten, Rückzug
  • Veränderung der Stimmung und des Verhaltens am Arbeitsplatz und außerhalb der Arbeit (erhöhter Konsum von Alkohol bzw. anderen Substanzen/Medikamenten)