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Bitte lebe!

Suizidpräventionsprojekt

Suizidales Verhalten bei Jugendlichen ist bis heute mit Tabus und Unsicherheiten belegt. Aus Angst, etwas falsch zu machen, trauen sich viele nicht, das Thema anzusprechen und wissen nicht, wie sie reagieren sollen. Deshalb wurde die SUPRO 2015 vom Landesgesundheitsfonds beauftragt, Maßnahmen zu entwickeln und umzusetzen. 

Seit den 1980er Jahren ist zwar ein deutlicher Rückgang der Suizidhäufigkeit zu beobachten, dennoch ist die Zahl der Suizidtoten mehr als dreimal so hoch, wie etwa jene der Verkehrstoten. In Österreich sind laut Suizidstatistik jährlich etwa 30 bis 40 Suizide bei jungen Menschen zu beklagen. Vollendete Suizide sind somit zur häufigsten Todesursache bei den 10- bis 14-Jährigen und zur zweithäufigsten bei den 15- bis 19-Jährigen aufgestiegen.

Herausforderung Jugend

Wenngleich durchgeführte Suizidhandlungen bei uns glücklicherweise seltene Ereignisse sind, sind Gedanken über den Tod in der Kindheit und Jugend keine Seltenheit. Fast alle Jugendlichen erleben pubertäre Krisen. Die körperliche Entwicklung, die gesellschaftlichen Erwartungen, die Planung der eigenen Zukunft und die gleichzeitige Ablösung vom Elternhaus stellen gewaltige Herausforderungen für Jugendliche dar. Dazu kommen aufgrund des sich ändernden Hormonhaushaltes bisher unbekannte Empfindungen und Gefühle. Ein Großteil der Jugendlichen meistert dies alles recht gut, viele erleben diese Phase aber eher als Lebensfrust, denn Lebenslust. In einer repräsentativen Studie gaben 57 Prozent der befragten SchülerInnen an, schon einmal Todeswünsche verspürt zu haben. Bis zu 30 Prozent der jungen Menschen werden als leicht depressiv und damit suizidgefährdet klassifiziert. „Suizidprävention bedeutet nicht nur, Todesfälle zu verhindern. Es heißt, jungen Menschen Mut zu machen, über Probleme zu sprechen und Perspektiven und Hilfsangebote in Krisen aufzuzeigen“, erklärt Andreas Prenn, Leiter der SUPRO.

Tabus und Unsicherheiten

Suizidprävention hat in Vorarlberg bereits eine lange Tradition und das Engagement bleibt nicht ohne Erfolg. Die Zahl der Suizide ist in den letzten Jahrzehnten zurückgegangen und im österreichischen Vergleich ist die Vorarlberger Suizidrate unter dem Durchschnitt. „Dennoch, jeder einzelne Todesfall ist einer zu viel“, führt Prenn aus. „Gerade suizidales Verhalten in der Jugend ist bis heute mit Tabus und Unsicherheiten belegt. Aus Angst, etwas falsch zu machen, trauen sich viele nicht, das Thema anzusprechen und wissen nicht, wie sie reagieren sollen. Da wollen wir – unter anderem – mit unseren Maßnahmen ansetzen“, erklärt er weiter. Ein Ziel des Projektes ist es, die Öffentlichkeit zu sensibilisieren und zu informieren, um das Tabu „Jugendsuizid“ aufzubrechen, zum Thema zu machen und ins Bewusstsein zu rücken. Zusätzlich wurde die Webseite bittelebe.at gestaltet,       die Freunde, Bezugspersonen und Eltern von suizidalen oder gefährdeten Jugendlichen dabei unterstützt, mögliche Signale zu erkennen, ihnen Gesprächs- und Verhaltenstipps bietet und die wichtigsten Anlaufstellen in Vorarlberg auflistet. Nachdem die Schule einen nicht unwesentlichen Teil des Lebensumfeldes von Kindern und Jugendlichen ausmacht, kommt PädagogInnen in der Suizidprävention ein hoher Stellenwert zu. Ein weiterer wichtiger Baustein im Projekt ist deshalb eine Fortbildung für Lehrpersonen. Dabei geht es um präventive Möglichkeiten, aber auch darum, richtig zu reagieren, wenn es zu suizidalen Ereignissen im Schulumfeld kommt. 

 

Menschen mit Suizidgedanken wollen nicht sterben. Sie können nur nicht so weiterleben.